Auszüge aus dem Katalogtext [engl. version]
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Die Differenz wird seltsamerweise durch das Verfahren der Wiederholung
erzeugt; die Wiederholung ist – und das nicht erst seit Deleuze – ein Differenzen
erzeugendes Unterfangen. Lükenwerks Blätter zeigen nun, dass Wiederholungen
nicht Gleiches produzieren, sondern Differenzen. Diese Blätter, die nichts tun
als ihre Vorlagen wiederholen, sind wahre Differenzmaschinen. Sie produzieren
Differenzen in genau derselben Bewegung, in der Identitäten in sie eingegeben
werden. Je reiner die Wiederholung, desto sichtbarer die Differenz. Am sichtbarsten
wird die Differenz dieser Blätter zum Druckbild auf den Zeichnungen mit
den einfachsten Motiven. Wie zum Beispiel auf einer einfachen Wasseroberfläche:
eine Oberfläche aus Pixeln, gepunktet, drei Wochen lang. Tatsächlich geht es hier
um Wiederholungen nicht des Gleichen, nicht um eine Identität als Produkt einer
Wiederholung. Umgekehrt geht es darum, dass es immer eine Differenz ist, die
bei einer Wiederholung erzeugt wird. Was wiederholt wird, ist zwar etwas, das
bereits stattgefunden hat. Doch der Durchgang der Wiederholung kann etwas erzeugen,
das so strahlend neu ist wie eine gerade wieder gefundene Erinnerung.
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Doch es gibt bei Lükenwerk nicht nur die Wiederholung als Verfahren, sondern auch Wiederholungen von bestimmten Motiven – also gewissermaßen Wiederholungen von Wiederholungen: Hände an Wasserbällen, Menschen mit Taucherbrillen, Wolken, die vorüberziehen. Diese Wiederholungen tragen durchaus das ihre zur Aufladung und Auratisierung der Blätter bei. Sie erzeugen Spiralen der Zeitlichkeit, in denen sich die gespeicherte Zeit wieder abspult. Denn gespeichert ist die Zeit tatsächlich in diesen Bildern, was vielleicht für ihre melancholische Anmutung verantwortlich ist. Ihr melancholisches Antlitz erhalten diese Blätter schon durch die Zeit, die in sie eingeflossen ist, durch die vielen Stunden, die jemand allein mit ihnen verbracht hat.
Und gewiss ist, was von diesen Zeitschleifen der Wiederholung festgehalten wird, auch eine Variation des alten Vanitas-Motivs: Denn die Zeit, die in die Blätter eingegangen ist, kehrt nicht wieder. Sie kehrt ebenso wenig wieder wie die Momente, die von ihnen immer wieder heraufbeschworen werden: Wasser, das am Wasserball abperlt; Wolken, die in einem Moment ganz andere sind; ein Blatt, das sich mit der Jahreszeit verfärbt. Einmalige Momente, die eingefangen und abrufbar werden durch ein Bild. Sie werden jedoch nicht abrufbar wie durch das Bild einer Fotografie, die selbst nur einen Moment zur Aufzeichnung brauchte. Vielmehr wird die im Bild gespeicherte Zeit wieder abrufbar durch die Zeit, die jemand mit ihm verbracht hat. Eine gedruckte Wolke ist eine banalisierte Wolke. Doch eine gezeichnete Wiederholung dieses Drucks ist die Zeit der Wolke, wiederentdeckt. Die Spirale der Zeit entsteht dadurch, dass die Einmaligkeit der visuellen Welt in diesem Werk abrufbar wird als Funktion der Zeit, die in sie eingegangen ist.
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